5 Warnsignale, dass Ihr Vertrieb ein Operations-Problem hat

Lutz Eckelmann
7 Min. Lesezeit

Einleitung

Ihr Vertriebsteam ist aktiv. Kundengespräche finden statt, Angebote werden erstellt, Meetings sind gut gefüllt. Und trotzdem bleibt das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Forecasts sind unzuverlässig, operative Themen dominieren den Alltag, und echte Planbarkeit fehlt.

In vielen Unternehmen wird in dieser Situation zuerst am Vertrieb angesetzt: neue Provisionsmodelle, zusätzliche Trainings oder mehr Druck auf das Team. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder ein anderes Bild. Die Ursache liegt selten im Vertrieb selbst, sondern fast immer in fehlenden oder unzureichenden Sales Operations.

Sales Operations bilden die strukturelle Grundlage für effizienten, skalierbaren und planbaren Vertrieb. Fehlen klare Prozesse, Standards und Verantwortlichkeiten, gleichen selbst erfahrene Vertriebler strukturelle Defizite aus – bis das System an seine Grenzen stößt.

In diesem Artikel zeigen wir fünf klare Warnsignale, an denen Sie erkennen, ob Ihre Herausforderungen tatsächlich ein Operations-Problem sind. Wenn Sie sich in mindestens zwei Punkten wiederfinden, sollten Sie genauer hinschauen.

Warnsignal 1: Ihre Forecasts sind Lotterie

Forecast-Meetings verlaufen jeden Monat ähnlich. Zahlen werden geschätzt, Deals nach Gefühl bewertet und Wahrscheinlichkeiten subjektiv festgelegt. Am Ende weichen Prognose und Realität deutlich voneinander ab.

Das Kernproblem liegt nicht in mangelnder Erfahrung des Vertriebsteams, sondern in fehlender Struktur. Häufig existiert keine einheitliche Definition der Pipeline-Stufen. Begriffe wie „Qualified“, „Commit“ oder „Closing“ bedeuten für verschiedene Personen unterschiedliche Dinge.

Ohne klar definierte Kriterien pro Pipeline-Stufe werden Forecasts zwangsläufig unzuverlässig. Wahrscheinlichkeiten basieren auf Einschätzungen statt auf messbaren Bedingungen. Der Forecast wird zur Meinung und verliert seinen Wert als Entscheidungsgrundlage für Management, Ressourcenplanung und Investitionen.

Typische Ursachen sind fehlende Standardisierung der Deal-Stufen, keine klaren Exit-Kriterien pro Phase und keine datenbasierte Gewichtung der Pipeline.

Ein einfacher Quick-Check: Wie groß war die Abweichung zwischen Forecast und tatsächlichem Umsatz in den letzten drei Monaten? Liegt sie regelmäßig über 20 Prozent, ist das kein Zufall, sondern ein strukturelles Operations-Problem.

Warnsignal 2: Vertriebler klagen über Admin-Aufwand

„Ich verbringe mehr Zeit im CRM als mit Kunden.“ Dieser Satz ist in vielen Vertriebsteams Alltag und ein deutliches Warnsignal.

Vertriebler werden eingestellt, um Umsatz zu generieren. Wenn ein erheblicher Teil ihrer Arbeitszeit für Dateneingabe, manuelle Nachverfolgung oder Reporting aufgewendet wird, sinken Motivation und Produktivität. Studien zeigen, dass Vertriebler im Durchschnitt nur rund 41 Prozent ihrer Arbeitszeit mit aktiver Verkaufsarbeit verbringen.

Die Ursache liegt fast immer in fehlenden oder schlecht aufgesetzten Sales Operations. Automatisierungen fehlen, CRM-Nutzung ist nicht klar definiert, und operative Unterstützung existiert nicht. Das CRM wird als Kontrollinstrument wahrgenommen statt als Werkzeug zur Entlastung.

Die Folge sind unvollständige Datensätze, Umgehungslösungen außerhalb des Systems und eine stetig sinkende Datenqualität. Entscheidungen des Managements basieren zunehmend auf Annahmen statt auf verlässlichen Informationen.

Wenn Ihr Vertrieb CRM-Pflege als notwendiges Übel empfindet, fehlt eine saubere operative Struktur. Gute Sales Operations reduzieren administrativen Aufwand und schaffen Raum für Kundenarbeit.

Warnsignal 3: Leads verschwinden im System

Marketing generiert Leads, Kampagnen liefern Reichweite und Kontakte. Dennoch kommen viele dieser Leads im Vertrieb verspätet oder gar nicht an. Wertvolles Potenzial geht verloren, ohne dass es sofort sichtbar wird.

Das Problem liegt in der fehlenden operativen Verzahnung zwischen Marketing und Vertrieb. Ohne klares Lead-Routing, definierte Reaktionszeiten und systematisches Follow-up entstehen Lücken, in denen Leads versanden. Besonders kritisch ist die Zeit direkt nach dem Lead-Eingang.

Studien zeigen, dass Leads mit einer Reaktionszeit von unter fünf Minuten eine signifikant höhere Abschlusswahrscheinlichkeit haben. Jede Verzögerung reduziert die Chance auf einen erfolgreichen Abschluss deutlich.

Typische Ursachen sind fehlende automatische Zuweisung, keine klaren Service-Level-Agreements zwischen Marketing und Sales und keine standardisierten Follow-up-Prozesse.

Leads gehen nicht verloren, weil Vertriebler schlecht arbeiten, sondern weil Operations fehlen, die Geschwindigkeit, Verbindlichkeit und Transparenz sicherstellen.

Warnsignal 4: Jeder arbeitet anders

Fragen Sie mehrere Vertriebler nach ihrem Verkaufsprozess, erhalten Sie unterschiedliche Antworten. Wissen ist personengebunden, Abläufe sind implizit, Standards existieren kaum oder gar nicht.

Fehlende Standardisierung verhindert Skalierbarkeit. Neue Mitarbeiter benötigen lange Einarbeitungszeiten, Best Practices werden nicht systematisch weitergegeben, und Leistung hängt stark von einzelnen Personen ab.

Ohne dokumentierte Prozesse gibt es keinen reproduzierbaren Vertriebserfolg. Stattdessen entstehen individuelle Arbeitsweisen, die sich kaum vergleichen oder optimieren lassen.

Ein einfacher Test: Könnten Sie Ihren Verkaufsprozess heute vollständig aufzeichnen, inklusive Phasen, Verantwortlichkeiten und Übergaben? Wenn nicht, fehlt die operative Grundlage für nachhaltiges Wachstum.

Warnsignal 5: Die Datenqualität sinkt stetig

Dubletten, veraltete Kontakte und unvollständige Felder nehmen zu. Reports wirken unzuverlässig, Entscheidungen werden zunehmend aus dem Bauch heraus getroffen.

Datenqualität ist kein technisches Detail, sondern eine organisatorische Frage. Wenn keine klare Verantwortung existiert, verschlechtert sie sich automatisch. Schlechte Daten sind nicht die Ursache, sondern das Ergebnis fehlender Ownership und fehlender Standards.

Typische Ursachen sind unklare Zuständigkeiten, fehlende Validierungsregeln im CRM und keine regelmäßigen Bereinigungsprozesse. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Studien beziffern die Kosten schlechter Datenqualität auf mehrere Prozent des Jahresumsatzes, verursacht durch Fehlentscheidungen, ineffiziente Prozesse und verpasste Umsatzchancen.

Fazit: Es ist kein Vertriebsproblem

Wenn Sie sich in mindestens zwei dieser Warnsignale wiedererkennen, ist die Diagnose eindeutig. Ihr Unternehmen hat kein Vertriebsproblem, sondern ein Sales-Operations-Problem.

Vertriebsprobleme lassen sich mit Training und Motivation adressieren. Operations-Probleme erfordern Struktur, klare Prozesse und definierte Verantwortlichkeiten. Ohne funktionierende Sales Operations bleibt Vertrieb zufällig. Mit ihnen wird er planbar, skalierbar und nachhaltig erfolgreich.

Der nächste Schritt besteht darin, den eigenen Reifegrad realistisch zu bewerten und gezielt dort anzusetzen, wo operative Lücken den größten Einfluss auf Effizienz und Umsatz haben.

Geschrieben von

Lutz Eckelmann

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